Die Digitalisierung beschäftigt Unternehmen und Investoren aktuell wie kaum ein anderes Thema. Damit steht sie für die Wirtschaftsförderung und speziell das Standortmarketing ebenfalls auf der Agenda. Unser grundlegender Ansatz: Ist eine Region in puncto Digitalisierung gut aufgestellt, kann dies ein wichtiges Argument sein, mit dem man Investoren von einer Ansiedlung überzeugt. Ist die Digitalisierung in der Region hingegen noch wenig ausgeprägt, besteht Handlungsbedarf jenseits des Marketings.

Digitalisierungskompass von index und Prognos: Die eigenen Stärken und Schwächen kennen

Standortverantwortliche sollten wissen, wo die Stärken und Schwächen ihrer Region im Bereich der digitalen Entwicklung liegen – und wie sie im Vergleich zu anderen stehen. Nur wer weiß, wo Defizite sind und was sie verursacht, kann handeln. Informationen zum Digitalisierungsgrad von Städten und Regionen liefert der Digitalisierungskompass, den index zusammen mit den Zukunftsforschern von Prognos entwickelt hat und der im letzten Frühjahr erstmals veröffentlicht wurde.

Der Digitalisierungskompass bewertet die Aktivität und Attraktivität der 402 kreisfreien Städte und der Landkreise in Deutschland hinsichtlich der Digitalisierung und vergibt ein 5-Sterne-Rating. Drei Indikatoren liefern die Bewertungsgrundlage: Wo entstehen digitale Unternehmen? Wo gibt es besonders viele digitale Impulsgeber? Und wie groß ist der Bedarf nach digitalen Impulsgebern?

Digitalisierung im Ungleichgewicht

Die Ergebnisse des Digitalisierungskompasses 2016 zeigen: Der Stand der Digitalisierung ist in Deutschland sehr ungleichgewichtig. Am besten aufgestellt sind der Landkreis München und die Stadt München. Sie liegen weit vor allen anderen Regionen. Ebenfalls gut bewertet sind die Städte Berlin, Darmstadt, Düsseldorf, Erlangen, Frankfurt am Main, Hamburg, Ingolstadt, Karlsruhe, Köln, Mannheim und Stuttgart sowie die Landkreise Böblingen, Hochtaunuskreis, Main-Taunus-Kreis und Starnberg.

Was zeichnet die Gewinner aus? Oft sind es Großstädte. Mit ihren Universitäten, Fachhochschulen und wachsenden Start-up-Ökosystemen sind sie prädestiniert dafür, den digitalen Wandel voranzutreiben. Der ländliche Raum tut sich wesentlich schwerer. Regionen, die durch eine starke Industrie geprägt sind, liegen ebenfalls vorne. Böblingen, Erlangen oder Ingolstadt beispielsweise mit ihren Großunternehmen beschäftigen deutlich mehr digitale Impulsgeber als der Rest Deutschlands.

Digitalisierung und Standortmarketing: Was Verantwortliche tun können

Jede Region sollte ihren Stand beim Thema Digitalisierung kennen. Die veröffentlichten Daten des Digitalisierungskompasses bieten hierzu einen Ansatz. Individuelle Detailauswertungen geben noch präziser Aufschluss, wo die eigene Region im Standortwettbewerb steht. Die Detailauswertungen liefern Antworten auf weiterführende Fragen: Welche Unternehmen suchen in meiner Stadt oder meiner Region IT-Fachkräfte? Welche Branchen vor Ort sind stark und welche schwach im Bereich Digitalisierung? Wie steht meine Region im Vergleich mit Nachbarregionen oder typischen Mitbewerbern bei Unternehmensansiedlungen da?

Dieses Wissen kann im Standortmarketing genutzt werden. Für die „Gewinnerregionen“ heißt dies: Kommunizieren Sie, warum Ihr Standort bei der Digitalisierung ganz vorne ist. Benennen Sie die Vorteile, die dies für Unternehmen und Menschen vor Ort hat. Arbeiten Sie mit Fakten, Daten und Statistik.

Digitalisierung zum Anfassen

Erzählen Sie darüber hinaus Geschichten, die das Modewort Digitalisierung anschaulich und spannend machen. Berichten Sie in ihrem Standortmarketing, wie das ortsansässige Traditionsunternehmen sein Geschäft digital in neue Sphären gehoben und die stolze Marke gerettet hat. Finden Sie Gründungsgeschichten, bei denen neue, technologiegetriebene Geschäftsmodelle gelebt werden. Noch erzählen nur wenige Orte ihre Digitalisierungsgeschichte(n). Wer jetzt beginnt, hat einen Vorsprung.

Wenn die Region digital schwächelt

Standorte, die nicht zur Spitzengruppe im Digitalisierungskompass zählen, sollten sich ihre Ergebnisse umso genauer ansehen. Zum einen, weil dann gehandelt werden muss. Eine Aufgabe, die die Wirtschaftsförderung nur im Schulterschluss mit der Politik und den Unternehmen der Region angehen kann. Zum anderen aber, weil es auch in grundsätzlich schwächeren Regionen Bereiche geben kann, in denen der Standort sich auszeichnet. Ein Beispiel wäre eine gute Position bei IT-Gründungen, die sich unter anderem in Potsdam, Flensburg und Regensburg zeigt – ausgewiesene und attraktive Hochschulstandorte, die mit diesen Aspekten werben können.

Franziska Berge

Die PR- und Marketingexpertin Franziska Berge leitet die Berliner Agentur index. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Standortmarketing, PR für Unternehmen der Digitalen Wirtschaft und Innovationen in PR und Marketing. Sie ist auch via E-Mail schnell und einfach für Rückfragen, Anregungen und mehr Informationen erreichbar.